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Schack, A.F. von [1878]

Strophen des Omar Chijam. Deutsch von Adolph Friedrich von Schack. Stuttgart, Verlag der I.G. Cotta'schen Buchhandlung, 1878

Für eine magische Laterne ist diese ganze Welt zu halten,
In welcher wir voll Schwindel leben;
Die Sonne hängt darin als Lampe; die Bilder aber und Gestalten
Sind wir, die dran vorüberschweben.

Wenn in deines Herzens Tiefen nur die Saat der Liebe sprießt,
Gleich ist's, ob du in Moscheen oder Götzentempeln kniest;
Hast du in das Buch der Liebe deinen Nahmen eingeschrieben,
Nicht mehr denkst du dann an Strafe oder an Belohung drüben.

Wir kaufen alten und neuen Wein, Wein, der das Herz erfreut!
Teil ist uns die Welt mit allem, was drin, für einen einzigen Deut.
Wohin nach dem Tode du gehen wirst, wer kündete dir es je?
Bring Wein mir zu trinken, Wein, und dann wohin du gehen willst geh!

Ihr Töpfer, die emsig den Ton ihr knetet,
Mit Händen ihn klopft, mit Füßen ihn tretet,
Bedenkt doch: was ihr also mißhandelt,
Sind Menschenleiber, zu Erde verwandelt.

Ein armer Verliebter ist, wie ich, einst dieser Krug von Lehm gewesen,
Um Locken einer schönen Maid hat er geseufzt in Liebesharm;
Um einen weichen Nacken ist als Arm
Geschlungen dieser Henkel ehedem gewesen.

Bald, beraubt des Lebenshauches, werden wir dort unten ruhn,
Bald mit Ziegeln decken wird man dein Grab und das meine nun;
Dann, um andrer Menschen Gräber auch mit Ziegeln zu bedecken,
In den Ziegelofen wird man deinen Staub und meinen tun.

Wir kamen zu spät auf diese Welt;
Kaum Mensch sein kann man das nennen;
Satt sind wir, laßt es uns offen bekennen,
Dieses Mahles, das schlecht bestellt.

Über die Religionen sinnen viele und die Glaubenssekten,
Zwischen Zuversicht und Zweifel schwanken andre fort und fort;
Doch ein Ruf wird einst ertönen: "O ihr Geistesnachtbedeckten,
Wißt, der wahre Weg zum Heile liegt nicht hier und liegt nicht dort."

Du, der die Schlange uns gesellt in Eden
Und uns umstrickt mit der Versuchung Fäden!
Die Sünden, welche wir begehn im Leben,
Vergib uns, wie wir dir vergeben!

O mein Herz! wenn von des schweren Leibes Last du dich befreist,
Dich empor zum Himmel schwingen wirst du, ein verklärter Geist;
Dann nur mit Beschämung droben, von des Lebens Leid genesen,
Denkst du, daß du ein Bewohner dieser Erde je gewesen.

Wenn Gott die Macht, die selbst er hat, mir gönne,
Die jetz'ge Welt würd' ich alsbald vernichten,
Und eine andere daraus errichten,
Darin der Mensch nach Wunsche leben könnte.

Ohne meinen Willen hat er mir zuerst das Sein gegeben,
Und mit Staunen und Verwundrung schau' ich an mein eignes Leben.
Uns zum Kummer aus der Welt dann werden wir hinweggerissen,
Ohne unsres Kommens, unsres Gehens Zweck und Ziel zu wissen.

Was? von uns Armen fordert er nun Gold,
Wo er uns Kupfer nur geliehn hat? was?
Ein Darlehn, das wir nie von ihm gewollt,
Heischt er zurück? Ein traur'ger Handel das!

Geknetet ward der letzte Mensch schon aus dem ersten Erdenschlamme,
Und anfangs schon das Reis gepflantzt, das später erst erwuchs zum
Stamme;
Am Schöpfungstag ward unsre Schuld ins große Rechnungsbuch
geschrieben,
Und ohne Nachsicht wird sie einst am jüngsten Tage eingetrieben.

Nein! nie werd' ich aus Furcht vor seines Zornes Falten
Sein ungerechtes Tun als Gnade preisen;
Für feig ja würden mich die Trinkgenossen halten
Und mich hinweg von ihrer Tafel weisen.

Luft ziemt der Jugend und Liebe und Trinkgelag.
Verdorben ward die Welt von der Sintflut Wässern;
So laßt uns sehen, ob es gelingen mag,
Durch Wein die arg verheerte zu verbessern!

Weit lieber mit einer Schönen mag ich im Weinhaus plaudern,
Als ohne sie in den Moscheen beten;
Ja, Gott, ich wage sonder Zagen und Zaudern
Mit diesem Glaubensbekenntniss vor dich zu treten.

Gib einen Fußtritt dem Himmel! laß ab
Von Andacht und Fasten und von Gebet;
Denn keiner der Toten jemals gab
Dir Kunde, wie es da drüben steht.

O Schenke, den Becher, die Zierde der Welt, bring her!
Den Trank, der mit Wonne die Herzen schwellt, bring her!
Den Wein, die Kette, welche in süßer Haft
Die Weisen zugleich und die Toren hält, bring her!

Ich bin der Häuptling aller Weinhausgänger,
Ich der Rebell, der dem Gesetze flucht
Und vor dem Gram, dem grimmen Herzbedränger,
Beim Wein die ganze Nacht durch Rettung sucht.

Geschaffen hat den Himmel nur der Mensch durch sein Verlangen;
Die Hölle ist ein Schatten nur, den unsrer Geist vol Bangen
In jenen Abgrund wirft, der bald uns wiederum verschlingt,
Nachdem wir erst vor kurzer Frist aus ihm hervorgegangen.

So viel Herzen such zu fesseln, wie du irgend fesseln kannst!
Glücklich du, wenn du auf Erden einen treuen Freund gewannst!
Minder wert sind hundert Kaabas als ein Herz von guter Art,
Drum nach einem Herzen richte, statt nach Mekka, deine Fahrt.

Begriffe dieses Leben nur von Grund aus unser Geist,
Wohl würd' er die Geheimnisse des Todes auch erkunden;
Doch wenn du heute, da du noch bei Sinnen bist, nichts weißt,
Was wirst du morgen wissen, wenn die Sinne dir geschwunden?

Ich habe des Daseins Höhen und Tiefen, soviel es der Geist vermag,
durchdrungen
Und alles, was irgend das Denken ermißt;
Doch nennt mich Tropf, wofern nicht von allem, wozu der Mensch sich
emporgeschwungen,
Das Beste, Höchste der Weinrausch ist!

Heut aus der Schenke sah ich einen Trunknen taumeln
Und von der Schulter ihm den Andachtteppich baumeln.
Ich sprach zu ihm: "O Scheich!, bist du nicht bei Verstand?"
Doch er rief aus: "Trink Wein! die Welt ist eitel Tand."

Nie eine Sekunde, seitdem ich bin, verbracht' ich anders als trunken;
Heut in der heiligen Kadir-Nacht lieg' ich zu Boden gesunken;
Ich halte die Brust an den Weinkrug fest, den Mund an den Becher
gepreßt,
Bis ich beim Morgenrothe den Wein getrunken bis auf den Rest.

Dieser Himmel, der tyrannisch droben wälzt sein ew'ges Rad,
Gibt es einen, dem des Lebens Mühsal er erleichtert hat?
Nein; doch wo auf seinem Kreislauf er ein blutend Herz gefunden,
Neue Wunden ihm geschlagen hat er zu den alten Wunden.

O mein armes Herz, da täglich neue Trübsal dich zerreißt,
Da in ruhelosem Wandel alles um dich wankt und kreist,
Sprich, warum in diesem Körper, den von neuem - und wie bald! -
Zu verlassen dir verhängt ist, nahmst du deinen Aufenthalt?

Grüßt ehrfurchtsvoll von mir den Mohammed,
Und sprecht: "Herr der Lebendigen und Toten!
Sag an, warum erlaubst du den Sorbet
Und hast den reinen, klaren Wein verboten?"

""Dir, Chijam, bietet seinen Gruß der Herr der Toten und Lebend'gen,
Doch, Ignorant, wie mißverstehst du meines Weinverbots Natur!
Erlaubt hab' ich den Wein für die Verständ'gen
Und ich verbot ihn für die Dummen nur.""

In dieser Welt, wo alles vorbei uns flieht in hurtiger Flucht,
Hab' ich mit Eifer und emsigem Blick geforscht und herum gesucht;
Und was ich gefunden ist dies: der Mond erbleicht vor deinem Gesichte,
Plump ist, verglichen mit deinem Wuchs, die schlankste Bergesfichte!

Jener, die die Welt geschaffen, in der armen Menschen Herzen
Wie viel Wunden nicht gegraben hat er unter bittern Schmerzen!
O wie viele Locken, welche ambrasüß geduftet haben,
Wie viel Rosenlippen hat er in der Erde Schoß begraben!

O wär' es nach meinem Willen geschehn
Und dem Geschicke die Macht genommen,
Nie wär' ich auf diese Erde gekommen,
Noch braucht' ich wieder hinwegzugehn.

Was von allem Erdenreichtum hab' ich nun gewonnen? nichts.
Was bedeutet nun die Zeit mir, die dahingeronnen? nichts.
Lustig lodert meines Lebens Fackel, doch, wenn sie erlischt,
Bin ich selber und sind alle die genossnen Wonnen nichts.

Nimm den irdnen Krug, Geliebte, nimm den Becher in die Hand,
Und auf grünen Wiesen wandelnd an der Silberbäche Rand
Denk, wie viele mondgesicht'ge Mädchen, schön wie du, mein Kind,
Krüg' und Becher hundert Male schon vordem gewesen sind.

Barmherzig und voll Huld ist Gott! für jede Schuld im Leben
Hält er Verzeihung auch bereit; wenn heut ich in der Schenke
Im vollem Rausch des Weines tot zu Boden niedersänke,
Schon morgen meinem modernden Gebein würd' er vergeben.

Ich weiß, nicht hängt sich des Verständ'gen Geist
An Erdengüter, welche bald verschwinden;
Doch sagt, die ihr mein Trinken mir verweist,
Werd' ich da drüben eine Schenke finden?

Philosophie hat oft genug
Mit "ist" und "nicht ist" mir ins Ohr geklungen;
Doch nie bin ich so weit drin vorgedrungen,
Wie in den Weingefüllten Krug.

Laßt einen Tropfen, eh' das Glas wir leeren,
Uns sprengen auf die sonnverbrannten Auen!
Erquickend wird er auf die Augen deren,
Die drunten tief begraben ruhen, tauen.

O Schicksal! dun wandelst die Welt mir zur Gruft
Und trübst mir jede frohe Sekunde!
Du machst mir bitter den Trank im Munde
Zu zehrender Glut mir die Himmelsluft.

O welche Wonnen im Weinhaus hier der Trank, der Gesang uns spendet!
Wir haben die Kleider, die Seele, das Herz, ja selbst den Becher
verpfändet.
Befreit von den Elementen, den vier, in reiner Herzenserhebung
Nicht kennen wir Furcht vor Strafe mehr, noch Hoffnung auf
Sündenvergebung.

Meinen tongeformten Becher brach ich gestern nacht entzwei;
Trunken bin ich wohl gewesen, und mir deuchte, einen Schrei
Hört' ich durch des bechers Scherben, die am Boden lagen, schleichen:
"Deinesgleichen war ich ehmals; morgen bist du meinesgleichen!"

Ein Welterobrer Mahmud ist der Rebensaft;
Wie oft sind nicht die glaubenslosen Schwarzen Horden
Der Angst und Sorgen seiner Heldenkraft
Erlegen und in Flucht getrieben worden?

Wenn tot ich bin, so sollt ihr den leib mit Saft der Traube mir waschen;
Anstatt zu beten, preiset den Wein und klirrt mit Gläsern und Flaschen,
Und wenn ihr am jüngsten Tage dereinst mich suchen wollt, ich denke:
Am sichersten findet ihr mein Gebein im Staub am Tore der Schenke.

Wein, den rosenfarb'gen, lieb' ich, wenn er funkelt in den Gläsern
Bei der Laute sanften Tönen und dem Spiel von Flötenbläsern;
Auch Asteten, Weinverächter lieb' ich, wenn mit ihrem Treiben
Sie nur hundert Farasangen weit mir stets vom Leibe bleiben.

Gleich geschmolzenen Rubinen gläntzt im Glas des Weines Welle;
Her damit, auf daß ihr Schimmer mir den dunklen Geist erhelle!
Reich, o Schenke, von dem Naß mir, dem sich nichts vergleicht auf
Erden,
Daß ich mich aus ihm verjünge, so wie aus der Lebensquelle!

Von wohl siebzig Religionen hör' ich, die's auf Erden gibt;
Doch die wahre Religion ist die nur, daß der mensch dich liebt.
Islam, Gottesdienst und Glaube - ferne mag dies Possenspiel,
Diese eitle, stets mir bleiben! Du nur, du nur bist mein Ziel.

Diese alte, morsche Gasthaus, das man auch die Erde heißt,
Das bald tief in Dunkel nachtet, bald mit hellem Lichte gleißt,
Ist ein Abfall nur vom Feste, welches hundert Kön'ge gaben,
Ist ein Grab nur, drin zum langen Schlaf sie hingestreckt sich haben.

Den Töpfer in seiner Werkstatt zu grüßen,
Heut ging ich und fand ihn beim Formen von Töpfen;
Er machte die Ründung aus Bettlerfüßen,
Den Henkel aber aus Königsköpfen.

Frisch nach dem Regen strahlt das Grün auf allen Rasenplätzen;
Wer möchte sich in solcher Zeit am Weingenuß nicht letzen?
Heut freun wir uns an diesem Grün; doch jenes, das dereinst
Auf unserm Grabe sprießen wird, wer wird sich dran ergötzen?

Erblick' ich ein rosiges Angesicht, gleich fliegt ihm all mein Wesen
entgegen,
Erblick' ich einen Becher mit Wein, gleich fühl' ich nach ihm die Hand
sich bewegen.
O! allen meinen Gliedern fürwahr soll werden, was ihnen gebührt,
Bevor der Tod zurück in das All, aus dem sie stammen, sie führt!

Dieser Wein, der in verschiednen Formen sich den Sinnen weist,
Bald als Saft in Reben flutet, bald in Menschenadern kreist,
Fürchte nicht, daß er verschwinden jemals könne sonder Spur,
Seine Wesenheit ist ewig, seine Formen wechseln nur.

Die Quelle des Lebens sprudelt im Wein,
Und seiner enthalten uns sollen wir?
Nein, muß man durchaus zur Zeit der Fasten enthaltsam sein,
Des Betens, anstatt des Weins, enthalten uns wollen wir.

Die Traube kann mit Überzeugungskraft
Die zweiunsiebzig Sekten widerlegen;
Sie ist's, die reines Gold - Heil ihr und Segen! -
Aus dieses Lebens schlechtem Kupfer schafft.

Den Wein her! ich kann ihn erwarten kaum,
Denn ach! wie währt das Leben so kurz!
Auf! auf! das Glück ist nichts als ein Traum,
Und die Jugend verrauscht wie ein Wogensturz.

Ihr sagt mir: "Morgen hebt er an, der heil'ge Mond der Fasten,
Und in der Schenke darfst du nicht hinfort beim Weine gasten;"
Wohlan denn! heut trink' ich so viel, daß, selig hingesunken,
Den ganzen Fastenmond hindurch ich lieg' am Boden trunken.

Du willst, ich soll mit einem Wort dir, was der Mensch ist, sagen?
Ein unglückseliges Geschöpf, belastet schwer mit Plagen,
Auf Erde kurze Zeit hindurch verzehrt er ein'ge Bissen,
Dann bald in Eile wiederum wird er hinweggerissen.

Vergib, o Mufti, wenn ich stolz mich über dich erhebe!
Im Rausch selbst mehr Vernunft als du noch hab' ich in der Tat.
Nach Menschenblute dürstest du, ich nach dem Saft der Rebe;
Sag an, wer besseren Geschmack da von uns beiden hat!

Ganz vergleichbar ist dein Leib, o Chijam, einem Fürstenzelt;
In dem Leib wohnt deine Seele, die nachher dem Tod verfällt;
Wenn der Fürst das Zelt verlassen, abgebrochen wird's alsbald;
Neu errichtet dann für neue Wohner dient's als Aufenthalt.

Was um dem Erdenlauf dich grämst du immerbar?
Du solltest lieber dich an Wein und Liebe laben!
Denn sieh! das Kind, das heut die Mutter erst gebar,
Im Erdenschoße liegt es morgen schon begraben.

Läßt es denken sich?Derselbe, der des Bechers Schönheit schuf,
Wie, ihn wieder zu zerbrechen, sagt mir, findet er Beruf?
Alle diese schönen Köpfe, alle diese zarten Glieder,
Welche Liebe hat sie erschaffen? welcher Haß zerstört sie wieder?

Nun ist der Lenz geschwunden mit der Rose,
Der Jugend schönes Buch zu Ende schon;
Die Nachtigall mit ihrem Liedgekose
Wo kam sie her? wohin ist sie entflohn?

Einrichten magst du dich nach Herzenslust
In diesem wüsten Einkehrhaus als Gast,
Doch denk stets, daß nach wen'ger Tage Rast
Du wieder es verlassen mußt.

Wo du auch weilest, nah ist dir das Grab;
Die Lebensblätter fallen rastlos ab;
Ob füß, ob bitter, Tropf' an Tropfen, glaub,
Verrinnt der Wein des Lebens in den Staub!

Auf dieser Welt, wo neuen Gram uns bringt ein jeder Atemzug,
Was mit dem Atmen mich versönt, ist nur der weingefüllt Krug.
Beim ersten Schein des Morgens drum ergreif das Glas, bevor's zu spät
ist,
Denn manchmal aufgehn wird er noch, wenn unser Odem längst verweht ist.

Da von der Erde vortzugehn verhängt uns o wie bald ist,
Ein Frevel wär's, entsagten wir der Liebe und dem Zechen.
Tor, ob der Ewigkeit der Welt den Kopf dir zu zerbrechen!
Muß ich hinweg, was kümmert's mich, ob jung sie oder alt ist?

Einst, wenn zur Fabel ich auf Erden ward
Und von mir selber nichts mehr weiß,
Möcht' ich als Krug, zu dem mein Staub geformt,
Die Runde machen in der Zecher Kreis.

Das Tor zu öffnen hast nur du die Macht - laß mich denn ein!
Den Weg des Heiles zeige mir, denn du kennst ihn allein!
Nicht einem, der mich leiten will, vertrau'ich mich zur Führung;
Vergänglich sind sie allgesamt; nur du hast ew'ges Sein!

Umsonst suchst du den Ew'gen festzuhalten;
Hin durch der Schöpfung Adern treibt
Es ihn in tausenfältigen Gestalten;
Sie wechseln und vergehn; er bleibt.

O du, der Schöpfung Inbegriff, laß ab vom niedern Tand,
Und an Gewinn und an Verlust denk ferner nicht auf Erden!
Empfang den Becher, den dir heut des ew'gen Schenken Hand
Und von den Sorgen dieser Welt und jener frei zu werden!

Einer umgestürzten Schale ist der Himmel zu vergleichen,
Unter der, gebeugt von Leiden, machtlos hin die Menschen schleichen;
Sieh dagegen, wie so zärtlich, einem jungen Brautpaar gleich,
Krug und Becher sich die Lippen gegenseits zu Kuffe reichen!

O Freund, da einmal solches Los das Schicksal dir bestimmt
Und dich nach kurzer Erdenrast von hinnen wieder nimmt,
Erfreu dich ein'ge Tage lang an Blumenduft und Grün,
Eh andre Blumen wiederum aus deinem Staub erblühn.

Fühlst du keine Scham, nach niederm Tand und Reichtum nur zu trachten,
Die Befehle und Verbote des Propheten zu verachten,
Wenn du alle Erdenschätze hättest, was - ich kann's nicht fassen -
Könntest du mit ihnen machen, als die wiederum verlassen?

Horch! der Muezzin ruft vom Minarete!
Wohlan, ich bin bereit, schenkt Wein mir ein!
Wer möchte solche Stunde durch Gebete
Und Predigthören wohl entweihn!

Man sagt: am jüngsten Tag dereinst wird streng Gericht gehalten
Und droben unsrer Freund wirft dann voll Zorn die Stirn in Falten.
Doch kann wer gut ist Böses tun? Wie läßt sich das verbinden?
Sei ohne Sorge nur! Zuletzt wirst du ihn huldvoll finden.

Ihr sagt, daß für mein Zechen einst mir schwere Strafen drohn,
Und fliehn müss' ich den Rebensaft, den Feind der Religion,
Doch eben deshalb will erlaubt der Weingenuß mich dünken;
Der Glaubensfeinde blut befiehlt ja der Prophet zu trinken.

Die Welt, jüngst eine Hölle noch, zum Himmel ward sie nun,
Und durch der Fluren Frühlingsgrün rinnt, hell wie Silberfäden,
Der Paradiesesfluß dahin. Laßt mich in diesem Eden
Mit einer Maid, wie Huris schön, auf weichem Rasen ruhn!

Wie lang noch von dieser niederen Welt einatmen willst du den Rauch
Und, brütend über das Sein und das Nichts, die Beute des Kummers sein?
Solang dir der Sinn an der Erde hängt, schafft Gram dir jeglicher
Hauch,
Und wenn von ihr du dich abgewandt, erst atmest du Frieden ein.

Oft fühlt mein Herz mit Kummer sich von diesem Käfig eingeengt
Und sieht sich voll Beschämung hier dem niedern Erdenstaub vermengt;
Den Käfig zu zerbrechen dann wohl wandelt mich Verlangen an,
Allein verpönt ist solche Tat, ich weiß, dem frommen Muselmann.

An Rubinnenlippen schwelgend, in der Hand den Becher Wein,
Bei dem Schall der Tamburine sich der Lust der erde weihn,
Wohl ist schön das - aber dann erst, wenn du jedes Band zerrissen,
Das dich an die Erde bindet, glaub! beginnt dein wahres Sein!

Teure, deren Kuß so süß ist, wie des Paradieses Flüsse,
Gib Erlaubnis nicht dem Becher, daß er deine Lippen küsse!
Denn, wenn er sie je berührte, o! in eifersücht'ge Wut,
Meinen Rachedurst zu kühlen, trinken würd' ich flugs sein Blut.

Sieh, wie der Rosen Knospenkleid zerrissen hat der Morgenwind!
Horch, wie, von ihrem Reiz entzückt, die Nachtigall ihr Lied beginnt!
Ruh zwischen diesen Rosen denn und denk, wie oft dem Erdenschoß
Sie schon entstiegen und dann neu in ihn hinabgesunken sind.

Klag nicht den Himmel dafür an, daß Qual
Und Lust und Weh der Liebe dich durchtoben,
Denn so verliebt wie du, nur tausendmal
Hilfloser, taumelt er dahin dort oben.

Wie lieblich wieder nun Alles ward!
Wie zart ist des Rasens duftendes grün! Komm' laß uns des Frühlungs
geniessen,
Doch tritt auf die Halme nicht zu hart,
Denn rosig hat einst das Gesicht geblüht, aus dessen Staube sie
sprießen.

Ein Berg selbst tantzte vor Lust, wenn mit Wein er würde begossen,
Und wer den Becher verschmäht, den muß man des Wahnsinns zeih'n.
Den Saft der Renem zu flieh'n, o Frömmler, mich mahnst du verdrossen;
Doch wisse! den Menschen erzieht und bildet zum Guten der Wein.

Diese Großen, die mit ihren Titeln ihren Würden prahlen
Und nach immer neuen streben, schaffen selbst sich nichts als Qualen;
Und dabei zum Lachen ist es, daß sie alle die verachten,
Welche nicht noch solchem eitlen Tande, wie sie selber, trachten.

Laßt trinken uns nun beim Morgenrot! Sagt an, was kann es uns kümmern,
Wenn Ehre und Ruf, dies vergängliche Glas, zu Scherben sich wandeln und
Trümmern?
Nichts wünschen laßt auf Erden uns mehr, nein mit den leiblichen
Tönen
Der Harfe wollen zufrieden wir sein und den wallenden Locken der
Schönen.

Wahren Weisen ziemt es, allem, was nicht Wein ist, zu entsagen;
Höher viel ist, als ein neues Reich, ein Weinschluck anzuschlagen,
Höher viel ein voller Becher, als der Erdenherrscher Throne,
Höher selbst des Weinkrugs Deckel, als Kai Chosrus Königskrone.

Die mit dir leben, bald ruhen sie
Dort unten im Schoß der Erden;
Sei froh denn, und laß den Kummer für die,
die nach dir kommen werden.

Zwei Sekunden währt das Leben nur - geschwind drum, trinke Wein!
Denn die hingefloh'nen Tage, wisse, holst du nimmer ein!
Diesen Untergang von Allem, ahme du ihn nach! sei munter,
Und bei Tag geh wie zur Nachtzeit im Genuß des Weines unter.

Sei immer die Schenke gefüllt mit Zechern,
Die, während sie bechern,
Die Kutten der Mönche und der Asketen
Mit Füßen treten.

Nimm an, du wärst zum Ziel gelangt mit allem Streben - was alsdann?
Nimm an, verronnen wäre dir das süße Leben - was alsdann?
Ich setzte, tausend Jahre schon nach Wunsche hättest du gelebt,
Und weit're hundert wolle Gott noch Frist dir geben - was alsdann?

Blindheit ist's, ihr Menschen, daß ihr vor dem Tode bange seit,
Denn erblühen wird aus dem Tode, glaubt mir, die Unsterblichkeit!
Seit mit seinem Wunderhauche Jesus meinen Geist belebt,
Ward ich von dem ew'gen Tode und von der Furcht vor ihm befreit.

Dieser Sünden wegen, Chijam, was in Kummer dich verzehrst du?
Ohne Nutzen dir zu schaffen, solchen Gram im Herzen nährst du?
Sündern nur läßt Gott die Wonne der Vergebung angedeih'n,
Und wenn keine Sünder wären, wem dann sollt' er wohl verzeih'n?

Wozu auf Erden nur dies Kommen und dies Geh'n?
All' diese Hoffnungen, die in den Wind verweh'n?
Von so viel Edlen, die in Müh'n sich aufgerieben,
Dann Staub geworden sind, wo ist die Spur geblieben?

Da die Tage unsres Lebens rasch und unaufhaltsam schwinden,
Da, ob morgen wir noch atmen, Keiner uns vermag zu künden,
Laß, o du mein Mond, uns froh sein! Ach der Mond da droben wird
Oft noch um die Erde kreisen, ohne uns auf ihr zu finden!



So viel will ich trinken, daß einst der Duft
Des Weines noch steigt aus meiner Gruft
Und die Zecher, die hin zu dem Grabe wallen,
Berauscht von dem Dufte zu Boden Fallen.

O Schenke, laß flehen uns nicht vergebens!
Komm! zünd uns ein Licht im Dunkel des Lebens!
Sei aus den Krügen uns Wein ins Glas zu schenken bedacht,
Eh' wieder aus unserem Staub der Töpfer Krüge macht.

Willst auf festes Fundament du dieses Erdenlebens gründen,
Willst du, daß dir alle Schmerzen, die dein Herz zernagten, schwinden,
Wohl! laß, ohne Wein zu trinken, keinen Augenblick vergeh'n,
Und mit jedem Atem wirst du neuen Reiz am Leben finden!

Erblickt ihr eine Rose, prächtig rot,
So denkt: darunter ruht ein mächt'ger König tot;
Und seht ihr einen Krokus blüh'n, so glaubt:
Ein schönes Weib, nun tot, verlor ihn einst vom Haupt.

Wie lang noch über was ich bin soll ich mein armer Kopf zerbrechen?
Wie lang noch von Enthaltsamkeit und Mäßigung mir wollt ihr sprechen?
Ich weiß nicht, ob den Atemzug, den jetzt ich tue, auszutun
Vergönnt mir ist; so lang ich's kann, o Schenke, laß darum mich
zechen!

Wein trinken und fröhlich sein, das dient zu des Geistes und Leibes
Ernährung;
Abschwören jegliche Religion, das ist meine Gottesverehrung;
Als einzige Mitgift hat fürs Leben
Das Schicksal ein fröhliches Herz mir gegeben.

Deine Leidenschaft, o Mensch, gleicht den Kettenhunden;
Dumpfes Bellen stößt sie aus, schweigt kaum auf Sekunden;
Wut des Tigers, Gier des Wolfs, und des Fuchses List
Und des Hasen leiser Schlaf sind in ihr verbunden.

Wenn dir das Haupt von Wein benebelt ist, sei froh!
Wenn eine Schöne dir die Lippen küßt, sei froh!
Der Erdendinge Ziel und Endpunkt ist das Nichts,
Drum denk' an dieses Nichts, und, weil du bist, sei froh!

Wenn des Weines gold'ne Fluten aus dem Becher mich durchrinnen
Und es mir im Freudenrausche schwindeln wird an allen Sinnen,
Tausend Wunder seh' ich dann und höre Stimmen, die in klaren
Worten mir das tiefste Wesen aller Dinge offenbaren.

O Töpfer! halt ein mit deinem Freveltun!
Zu schänden den Menschenstaub, ist das erlaubt?
Jetzt knetest du den Finger des Feridun!
Jetzt trittst du mit Füßen des großen Kai Chosru Haupt!

Leise! leise! in das Weinhaus laßt uns leisen Schrittes wandeln!
Laßt den Turban, das Gebetbuch uns für Rebensaft verhandeln!
Doch wenn an der Koranschule uns der Weg vorüber führt,
Schnell nur, schnell, daß wir nicht hören, was der Mufti dort lehrt!

Glückselig wer schlicht und verborgen auf Erden lebt,
Anstatt in prunkenden Kleidern der Großen zu schimmern;
Wer wie die Simurg in des himmlischen Lüften schwebt,
Nicht wie die Eule krächzt in den irdischen Trümmern.

Keiner hat vom Weltgeheimnis je den Schleier noch gehoben;
Unsres Geistes Auge, ringshin ach! mit Nacht ist es umwoben;
Einen sichern Wohnort haben wir allein, im Erdenschoß;
Ach! wie viel wir sinnen mögen, dieses Rätsel ist zu groß.

Sei fröhlich jetzt, denn bald folgt schwere Leidensnacht;
Der Sterne Stand kann man mit Angst nur schauen,
Und mit den Ziegeln, die aus deinem Staub man macht,
Wird man für andere Paläste bauen.

Trink Wein, so lang dein Name noch nicht aus der Welt verschwunden ist,
Verscheuchen wird der Himmelstrank die Trübsal dir nach kurzer Frist!
Locke an Locke löse sanft auf einer Schönen Haupt das Haar,
Eh Glied an Glied in Staub gelöst dein Leib sich hat für immerdar!

O wie lang noch von der Farben dieser Welt, von ihren Düften
Willst du dich bestricken laßen? Mensch, bedenk' das Eine du,
Wärst du selbst die Lebensquelle, einer von den Tausend Grüften,
Die im Erdenschoße gähnen, eiltest doch zuletzt du zu!

Zum Weinglas oft greift meine Hand, allein zum Koran minder;
Mit euch ist das ein andrer Fall, iht ausgedörrten Frommen!
Gleich trocknem Holz brennt euer Geist in Himmelsglut erglommen,
Wie wäre möglich das bei mir, dem weingetränkten Sünder?

Des Ew'gen Finger schreibt der Menschen Schicksalsbuch;
Fruchtlos, ihr Frommen, ist, ihr Weisen, eu'r Versuch,
Daß ihr nur einen Spruch, auch nur ein Wort von denen,
Die er geschrieben hat, auslöscht mit euren Tränen.

So wie vom Schlägel Bälle, auf und ab
Laut seines ewigen Geheißes
Geschleudert werden wir bis an das Grab;
Wozu, weshalb? Er weiß es, weiß es, weiß es!

Hinter den geheimnisvollen Vorhang drang noch nie ein Blick,
Keiner hob noch je den Schleier, der verhüllt das Weltgeschick;
Zweiundsiebzig Jahre hab' ich Tag und Nacht darob gesonnen,
Doch das Rätsel blieb mir dunkel und mein Leben ist verronnen.

Um mein Sterben kümmert oder Sein
Sich die Welt genau so viel,
Wie das Meer um einen Kieselstein,
Der in seine Welle fiel.

Zum Schädel des Kai Kawus auf dem Wall
Von Tus einst hört' ich sprechen einen Geier:
"Ach! ach! wo ist nun deiner Feste Feier?
Wo blieb nun deiner Kriegsdrommeten Schall?"

Der Wassertropfen klagte, daß getrennt er sei vom Ozean,
Doch lachend sprach der Ozean: "Um was du klagst, das ist ein Wahn,
Denn ich bin Alles, was da ist; kein andrer Gott ist außer mir;
Und, wenn getrennt wir sind, so trennt mich nur ein kleiner Punkt von
dir."

"Ich will", "will nicht", so kann ein Tor nur sprechen;
Seh'n müßte jeder das, der Einsicht hätte;
Wir sind nur Glieder einer ew'gen Kette,
Dran rütteln können wir, doch nie sie brechen.

Der ich mit meinem Barte gefegt den Staub vom Bodem der Schenke,
Gott strafe mich, wenn ich an diese Welt und jene noch ferner gedenke!
Und gingen, während berauscht ich bin, sie alle beide zu Trümmern,
Nicht mehr, als um ein Weizenkorn würd' ich um beide mich kümmern.

Das ganze Jahr betrunken sein, geziemt dem echten Weisen;
Wer stets in Rausch und Tollheit lebt, den muß ich selig preisen!
Sind bei Verstand wir, so vergällt uns Kummer jeden Tag,
Doch steigt uns erst der Rausch zu Kopf, so komme was da mag!

Den Tag der gestern war vergiß!
Mach' dir Gedanken nicht um morgen!
Des Augenblicks, der dir allein gewiß,
Des jetzigen, genieße ohne Sorgen!

Eine Flasche roten Weines und ein Büchlein mit Gedichten
Und die Hälfte eines Brotes, anders wünsch' ich mir mit nichten;
Dann nur irgend eine Wüste, um mit dir darin zu wohnen,
Und beneiden will ich fürder keinen Herrscher von Millionen.

Wie lange noch willst du von der Moschee, von Fasten und Beten mir
sprechen?
Geh lieber, und müßstest das Geld du dir erbetteln, geh lieber zum
Zechen!
Trink Wein, o Khayam! nicht lange, so wird zu Bechern, Gläsern, Krügen
Den Staub, daraus du gebildet bist, die Hand des Töpfers fügen.

O Pred'ger! Einen Wunsch erfülle mir!
Schweig still und laß auf Gottes Pfad mich wandeln!
Quer siehst du alles! geh zum Augenartzt
Und laß mich, wie mich gut dünkt, handeln!

Dem Wein uns geben wir ganz dahin, ihm, der uns mit Wonne begnadet
Und mit den lächelnden Lippen uns zum feurigen Kusse ladet.
O herrliche Schau, der Schenke dort, der das Naß aus dem Kruge
verschwendet,
Und hier das überschäumende Glas, das seine Seele uns spendet.

O mein Herz! das große Rätsel wirst du nimmermehr durchdringen!
Nur so hoch, wie andere Weisen, hoffe dich nicht aufzuschwingen!
Schaffe drum mit Wein und Bechern dir ein Paradies auf Erden,
Denn du weißt nicht, wird dir jenes drüben je erschlossen werden.

Ein Weiser erschien mir im Traum und sprach:
"Was ahmst du den Tod im Schlafe nach?
Nicht schaffst du also dir gutes ins Haus;
Hier oben trinke, dort unten schlaf aus!"

Dem Brüten über dieses Sein, ich rat' euch, daß Ihr ihm entsagt,
Und mit Gedanken solcher Art euch, Fremde, nicht meht nutzlos plagt;
Sucht zu zerstreun euch und seid froh! Denn, als der ganze Erdenkram
Erschaffen wurde, hat man euch vielleicht um Euern Rat gefragt?

Zwei oder drei Tröpfe, an Geiste blind,
Sind's, die auf Erden als Herrscher walten.
Laß du sie schalten! Für Ketzer halten
Sie alle, die keine Esel sind.

In den Kirchen und den Klöstern, den Moscheen und Synagogen,
bebt man vor der Hölle Schrecken, hofft man auf das Paradies;
Doch vom solchem Trugebild wird nimmer dessen Geist betrogen,
Den der Herr in das Geheimnis aller Dinge schauen ließ.

Mittel nicht zu finden weiß ich, um mit dir mich zu vereinen,
Aber fern von dir zu atmen, will mir auch unmöglich scheinen,
Und von meinem Leid zu sprechen, fehlt der Mut mir allzumal -
O der wundersamen Lage! o der süßen Liebesqual!

Dereinst am Tag des Gerichts, wenn die Sterne droben erblassen
Und der Himmel zusammenbricht, wie das der Gläubige glaubt,
An deines Gewandes Saum, o Liebchen, werd' ich dich fassen
Und fragen, warum du mir grausam das Leben geraubt.

Trink jetzt bei des Frühlings Widerkunft,
bereu'n sonst wirst du es schwer und lang!
beim Duften der Rosen, beim Bülbül-Gesang
Zu fasten, das widerstrebt der Vernunft.

Gewalt'ge Leidenschaften hat uns Gott zuerst ins Herz gepflanzt,
Dann sagt er uns: Ich strafe dich, wenn du sie nicht bemeistern kannst."
Wir Armen! Spricht ein Vater wohl: "die Schale kehre um, mein Kind!"
Und straft sodann das Söhnchen, wenn der Inhalt auf den Boden rinnt!

Was irgend du zu hören und sehn magst, es alles, alles ist nichts!
Wohin auf Erden du gehn magst, es alles, alles ist nichts!
Ob du das Weltall durchfliegest, es alles, alles ist nichts!
Ob im Winkel des Stübchens du liegest, es alles, alles ist nichts.

Heut morgen erscholl ein Ruf aus der Schenke:
"O Volk der Zecher, meiner gedenke!
Auf! auf! mit Weine das Glas gefüllt,
Bevor das Geschick das Maß euch erfüllt!"

Jüngling, auf! der Freude jage nach bei ihrem Flug, dem raschen!
Fülle mir den Becher! Siehe! wie der Himmel sich erhellt!
Später magst du noch so sehr dich mühn, du wirst ihn nie mehr haschen,
Diesen Augenblick, den flücht'gen, in dem großen Nichts der Welt.

Als Gottes Wort ist der Koran von je berühmt gewesen,
Doch wird er auf die Dauer nicht, nur dann und wann gelesen;
Wie anders an des Bechers Rand die hellen Inschriftworte!
Man liest sie gern zu jeder Zeit und gern an jedem Orte.

Schreite keine andern Pfade, als den Weg zum Schenkentor!
Denke nur an Wein und Liebe, labe mit Gesang dein Ohr!
Nimm den Becher in die Rechte, auf die Schulter nimm den Schlauch,
Trinke Wein, mein Freund, und sprich mir ferner keine Dummheit vor!

Wie ein Falk entflog ich jener Welt der Geister, um von dort
Höhre Welten zu erfliegen; doch an diesen niedern Ort
Sank ich hin, und, da ich fremd mich hier und unverstanden sah,
Auf dem Weg, den ich gekommen, flieg' ich nun von neuem fort.

Nur Puppen mit denen das Schicksal spielt, sind hier auf Erden wir,
Erkennen muß ein jeder das, der klarerer Gesichts;
Figuren auf dem Schachbrett gleich geschoben werden wir,
Dann nimmt man uns hinweg und legt uns in den Sarg des Nichts.

Von allen, die die ganze Welt bereist
Und jedes Land durchforscht und alle Meere,
Ich wüßte nicht, daß einem nur im Geist
Der Dinge Rätsel lkar geworden wäre.

Der Mensch kam auf die Welt und wurde nicht gefragt,
Ihn fragen wird man nicht, wenn man hinweg ihn jagt;
So gab der Himmel ihm die Traube zum Geschenke,
Damit er, weinberauscht, der Unbill nicht gedenke.

Ohne Rebensaft zu trinken, leben könnt' ich keinen Tag;
Kraft, mich durch die Welt zu schleppen, find' ich nur durchs Zechgelag.
O des sel'gen Augenblicks, wenn der Schenke zur mir spricht:
"Noch ein Glas!" und meine Rechte es zu halten niet vermag.

In eines Weinwirts Hause tat an einen Greis ich jüngst die Frage:
"Was aus den Abgeschiednen ward, kannst du mir das berichten? sage!"
Zur Antwordt gab er: "Freund, trink Wein! gar Viele gingen schon hinweg,
Allein zurückgekehrt ist noch kein einz'ger bis zum heut'gen Tage."

O Schenke! das funkelnde Naß gieß ein!
Schwer lastet mir auf der Seele Pein;
Vielleicht wird der feurige Trank mich auf kurz
Von mir selbst und dem wechselnden Schicksal befrei'n.

Weinhändler, sprich, wie mag nur feil dir sein der flüssige Rubin?
Nichts, was nur irgend gleich ihm kommt, einhandeln kannst du ja für
ihn;
Denn seit am Himmel Sonn' und Mond zuerst begannen ihre Fahrt,
Ward köstlicheres als der Wein auf dieser Erde nicht gewahrt.

Gönnt mir, mit dem Liebchen im Gartenrund
Zu weilen beim süßem Rebengetränke,
Und nennt mich schlimmer als einen Hund,
Wenn ferner ans Paradies ich denke!

Dieses Frömmeln, dieses Heucheln, Schenke! wird mir unausstehlich!
Auf und bring mir Wein zur Stelle! zechen will ich wonneselig
Und zugleich des Rosenkranzes mich und des Korans entled'gen,
Um auf besserm Fundamente wider Heuchelei zu pred'gen.

Bringt einen Becher mir, so groß, daß man ihn schwer nur hebe!
Wenn man ihn auch nur zweimal leert, zum Rausch genügen muß er schon.
Zuerst will ich von der Vernunft mich scheiden und der Religion,
Und mich vermählen dann sofort dem holden Kind der Rebe.

Stets hält die Blicke mir gebannt des Weines zarte Röte,
Im Ohre hallt mir immerdar des süße Klang der Flöte.
Formt einst der Töpfer einen Krug aus meines Leibes Staube,
O stets sei dieser Krug gefüllt mit feur'gem Saft der Traube!

Soll fruchtlos für dich dein Leben bleiben?
Trink, trink in dieser Törichten Welt!
Nicht kümmert sich Gott um deinen Tun und Treiben,
Drum lebe lustig, wie's dir gefällt!

Noch - unserm Schenken sei's gedankt! - bleibt übrig mir ein Atemzug,
Doch auf der Welt herrscht Wirrwarr stets, und nimmer werd' ich daraus
klug.
Ich weiß, wie viel des süßen Weins im Glas mir noch geblieben ist,
Doch nicht, wie viel das Schicksal mir auf Erden gönnt an Lebensfrist.

Such dir Wein und Lautenschläger, such ein Mädchen Huri-schön,
Und, ins Grün am Bach gelagert, bei des Seitenspiels Getön,
Schwelg in Paradieseswonne, während du die Maid umfängst;
Denk nicht ferner an die Hölle, denn erloschen ist sie längst!

O Gott, Barmherz'ger, huldvoll sei mir!
Das eine, was mir not, verleih mir,
Gin ewigen Weinrausch mir, auf daß, durch dieses Menschengewühle
Besinnungslos hintaumelend, ich die Schmerzen des Lebens nicht fühle!

Seitdem ich da bin, ist's das Lob des Weins, was meine Lieder sangen,
Nach anderm niemals, als dem Wein, gerichtet war mein Verlangen;
Der du als deine Lehrerin die Weisheit preisest, o Asket,
Vorher in meine Schule, glaub, ist diese Lehrerin gegangen!

O Schenke! Alle, die vor uns dahingegangen sinf,
Voll leeren Dünkels waren sie, an Geist sie alle blind!
Gieß Wein mir ein und glaube mir, daß ich die Wahrheit sage:
"Was irgendwie sie vorgebracht, war nischts als eitel Wind."

Heut ist der heiligste Fastentag,
Drum sorge, daß größer dein Weinglas sei,
Und leerst du sonst eins, heut leere zwei!
Kein Fest, das sich diesem vergleichen mag.

Selbst jene die er durch Wissen und Geist und Tugend alle zuvorgetan,
Die leuchtend ihre Schülern voran geschritten auf dieser Lebensbahn,
Nicht lüften den Schleier konnten sie, der aller Sterblichen Auge
bedeckt;
Sie haben einige Fablen erzählt und dann zum Schlummer sich
hingestreckt.

Menschen, o ihr Toren, alles, waß ihr tut und seid, ist nichts!
Über euch der sieben Himmel Strahlenherrlichkeit ist nichts!
Drum in dieser Welt, der tollen, weiht der Fröhlichkeit eu'r Leben;
Eine Spanne Zeit nur währt es und auch diese Zeit ist Nichts.

O Herr! schenk meiner Seele, meinem armen
Von Gram gebeugten Herzen schenk Erbarmen!
Verzeih dem Fuß, der mich zum Weinhaus trägt,
Der Rechten, die das Glas zum Mund bewegt!

Wir haben den Weinkrugrand zur Andachtstätte erkoren,
Durch Trinken machen wir uns erst würdig, Menschen zu sein;
Die Zeit, die nutzlos vordem wir in den Moscheen verloren,
Wir holen vielleicht durch Besuch der Schenke sie wieder ein.

Von allem, was nicht Frohsinn ist, sich zu enthalten, ist wohlgetan,
Und wohlgetan, den Becher Weins aus schönen Händen zu empfahn.
Sich und die Welt zu vergessen im Rausch, das nenn' ich auf Erden die
einzige Wonne;
Ein Schluck aus dem Weinglas ist mehr wert, als alles unter Mond und
Sonne.

Trink, trink von des Weines perlendem Strome,
Damit einst deines Staubes Atome,
Durchduftet von dem süßem Getränke,
Sich lagern an der Schwelle der Schenke!

An der einen Seite hundert Fallen hast du aufgestellt,
Auf der andern drohst mit Tod du jedem, der in eine fällt.
Sprich, da du die Schlingen legtest, denen schwer der Mensch entgeht,
Ziemt es dir, ihn zu bestrafen, wenn er just hineingerät?

Ein seltsam Siegel, wahrlich, hast du unserm Wesen aufgedrückt,
Und staunen muß man sich hundertmal, wie sehr dein Schöpfungswerk
geglückt!
Nicht besser machen kann ich mich, trüg' ich danach auch viel
Verlangen,
Denn, wie ich bin, just so bin ich aus deiner Hand hervorgegangen.

O fände irgendwo das Herz nur eine Ankerstätte!
O daß der Mensch zum mindesten die eine Aussicht hätte,
Einst - möchten bis dahin auch zehn Jahrtausende verfließen -
Gleich diesem Rasen neu dem Schoß der Erde zu entsprießen.

Hat deines Reiches Glanz sich je durch meinen Gehorsam gesteigert?
Vermocht' ich irgend deine Macht durch meine Schuld zu mindern?
O Gott, verzeih mir denn! Ich weiß, daß deine Huld den Sündern
Nicht vorschnell Strafe zuerkennt, noch die Vergebung weigert.

Bald verhüllt und jedem Blicke unerreichbar waltetst du,
Bald auch in der Schöpfung tausend Bildern dich entfaltest du,
Und es scheint, daß nur zur Kurzweil all das für dich selber ist,
Da du selbst das Schauspiel und auch selber der Beschauer bist.

Was, wenn zuerst ein Teil ich war von deinem Wesen,
Bestimmte dich, nachher mich von ihm abzulöschen?
Wohl schon vom Anfang mußt' es deine Absicht sein,
Daß hilflos durch die Welt ich irrte und allein.

Bin ich berauscht von edlem alten Wein, so bin ich's;
Bin ich ungläubig und voll Ketzerei'n, so bin ich's;
Die einen dagen dies von mir, die andern jenes,
Allein was hilft's? Wie Gott mir gab das Sein, so bin ich.

Wie lange sollen wir Sklaven noch von dieser schalen Vernunft sein?
Was kommt es drauf an, on einen Tag wir leben, ob hundert Jahre?
Laßt eifrige Glieder, solange wir sind, uns von den Zecher Zunft sein!
Bring Wein, bring Wein, bevor auf dem Brett wir stehen als Töpferware!

Von einer Hölle spricht man mir, in die ich kommen würde,
Doch glaub' ich's nicht, ob schwer gedrückt auch von der Sünden
Bürde,
Denn, gäb' es für verliebtes Volk und Trinker eine Hölle,
Leer würde, wie meine hohle Hand, der Himmel ja zur Stelle.

Des Königs Krone würd' ich gern, den Kajanidenthron verkaufen;
Den Turban und den Kaftan laßt uns für der Flöte Ton verkaufen!
Den Rosenkranz, den Inbegriff von Dummheit und von Heuchelei,
Lßt uns für klaren, goldnen Wein, den edlen Rebensohn, verkaufen!

Trink, trink vom Weine, der Lebensquelle,
Dem Spender von Jugend und Glück und Lust!
Wohl brennt er wie Feuer, doch seine Welle
Spüllt alle Schmerzen hinweg von der Brust.

Sei, so viel als möglich, ohne Wein nicht einen Augenblick,
Denn er stärkt Verstand und Glauben, er nur schafft des Menschen
Glück.
Weinn des Weines einen Schluck auch Iblis nur gekostet hätte,
Tausendmal vor Adam wär' er huld'gend hingekniet, ich wette.

Jüngst aus dem Buch der Liebe zog ich eben mir ein Los,
Da hört' ich wie ein Weiser sprach: "O dessen Glück ist groß,
Der eine schöne Freundin hat; und größer noch fürwahr,
Wenn eine Nacht er vor sich hat, die lang währt wie ein Jahr."

Darf ich nur dich lieben, willig werd' ich jede Pein dann tragen,
Und der Himmel mag mich strafen, wenn ich breche meinen Schwur!
Brennt auch, bis zum jüngsten Tage, mich die Wunde, die du geschlagen,
Glaube, kurz erscheinen wird mir diese Zeit der Schmerzen nur.

Schon schwindet mein Leben nach und nach;
Der blühende Frühling der Freuden, im Welken ist er schon;
Das muntere Vöglein Jugend, ach!
Nicht weiß ich, wie es gekommen, nich wie es plötzlich entflohn.

Mühsam und emsig hab' ich der Weisheit Korn gesäht
Und es mit eigenen Händen gepflegt; allein, mein Kind,
Nur eins ist klar mir worden, als ich die Saat gemäht:
Ich kam so wie das Wasser, und gehe wie der Wind.

Wer ein Brot besitzt, sein Leben nur zwei Tage lang zu fristen,
Einen Krug, mit dem er Wasser schöpfe, wenn er Trank begehrt,
O wie möcht' er andern dienen, die in Hoffart stolz sich brüsten
Und doch nichts als seinesgleichen, ja geringer sind an Wert.

Wenn du nicht Wein meht siehst im Glase blinken,
Kein Kuß dir deine Liebe mehr belohnt,
Was zagst du, in die Nacht zurückzusinken,
Die du vor der Geburt schon lang bewohnt.

Dieser Grabbewohner Reste, die in Staub und Asche sanken,
Nicht ein Teilchen bleibt von ihnen, das im Winde nicht verstäubt.
O was für ein Rausch nur ist es, der uns schwindelnd die Gedanken,
Wenn sie unsres Schicksals denken, hin und her in Wirbeln treibt?

Da, nach deinem Wunsch zu leben, dir das Schicksal keine Macht gibt,
Kann dich's kümmern, ob es sieben Himmel oder ob es acht gibt?
Was in diesem Augenblicke da ist, das nur geht dich an,
Nicht was ehedem gewesen oder was noch kommen kann.

Alle Herzen sind von Kummer, seit du fern bist, aufgebrieben,
Unbewegt von deinen Reizen ist kein Wesen noch geblieben,
Und, wenn du auch ihrer keinen eines Blicks für würdig hältst,
Fühlen alle Menschen dennoch sich gedrungen, dich zu lieben.

Dies Schloß, wie der Himmel so leuchtend, einst strotzend von Gold und
von Schätzen,
In dessen prangenden Sälen der Könige viele gethront,
Auf seine zerfallenen Zinnen jetzt sehn wir die Taube sich setzen;
Sie girrt, als wollte sie sagen: "Wo blieben sie, die hier gewohnt?"

Du fragst, was diese Welt sei? Wohl! ich will dich nicht betrügen,
Und sage kurz dir, was davon mich dünkt.
Sie ist ein Schaumgebilde, das dem großem Meer entstiegen
Und in dies Meer von Neuem untersinkt.

O mein Herz! da dieses ganze Weltall Lug nur ist und Trug,
Was dich nur so viel mit Kummer plagst du? Sei's damit genug!
Unterwirf dich dem Geschicke! Denn, wie schwer du auch bedrängt,
Deinethalb veränderen wird es nichts von dem, was dir verhängt.

Nur Leiden schaft der Himmel uns armen Verlornen,
Die Saat zerstörend, wenn kaum der Acker bestellt;
Ach kennten unser Geschick die Ungebornen,
Sie kämen sicher nimmer auf dieser Welt.

Oft wider Gott wohl hab' ich gefehlt,
Doch wenn mir noch immer die Hoffnung beseelt,
Er werde mir huldvoll sein, so ist' s,
Weil ich ihn nie mit Gebeten gequält.

Bring her den flüßigen Rubin, den Liebling aller edlern Seelen!
Da Staub nur alle Wesen sind,
Ziemt uns, ihn zum Begleiter uns auf diesem Erdengang zu wählen,
Eh uns on dannen weht der Wind.

Die laue Liebe ist ein Feuer, das ohne Glanz und Wärme brennt.
Wollt ihr den echten Verliebten erkunden, so wißt: ein solcher ist nur
der,
Der Monde, Jahre, zu allen Stunden, kaum seiner eignen Sinne Herr,
Das Weib beseufzend, das ihm teur, nicht Rast noch Speise noch Schlummer
kennt.

Sei noch so schön ein Menschenbild, an Anmut und an Ziere reich,
Sei wie die Tulpe sein Gesicht, sein hoher Wuchs zypressengleich,
Nicht einer docjh, so viel du fragst, kann Antwort geben dir zuletzt,
Aus welchem Grund sein Bildner es auf dieser Erde hat versetzt.

Wohl unter den Menschen erreicht man sein Ziel durch Klugheit und ems'ge
Bestrebung,
Doch gegen des Himmels Beschlüsse hilft nichts anderes als Ergebung.
Was irgend an Listen ersinnen sich läßt, ich hab' es zu üben
verstanden,
Doch machte das Schicksal jedesmal mir alle Pläne zu Schanden.

Laßt genießen uns jedwede Spende,
Die das Schicksal bietet! bald ja nun
Ohne Wein und Lieder, ohne Ende
Müssen Staub in Staub wir drunten ruhn.

Diese Schloß, inwelchem Bahram froh den Becher oft gefüllt,
Dient Gazellen nur zum Lager, wird von Löwen nun durchbrüllt.
Der auf Jagd der wilden Esel mit dem Fangstrick oft gegangen,
O wie lang schon von des Todes Fangstrick ist er selbst gefangen!

Gib dich nicht dahin dem Kummer über diese böse Welt!
Denke derer nicht, die drunten schon das Grab umschlossen hält!
Einer Peri-schlanken Schönen ganz geweiht mit Herz und Sinnen
Trachte du, das deines Lebens Tage nutzlos nicht verinnen!

Dies flücht'ge Leben, was verschlägt's, ob es süß ist oder herbe?
Wer sterben muß, gleich kann's ihm sein, ob hier, ob dort er sterbe;
Trink Wein! und wenn wir doch einmal zu Grabe gehen sollen,
Nach unserm Tode mag der Mond, solang er Luft hat, rollen!

Gedenk' ich der Sünden, die ich begangen,
So brennt's mir im Herzen, mir glühen die Wangen;
Doch reuigen Slaven verzeiht der Herr;
Und wäre härter dort oben Er?

Wenn ich gestorben bin, in unser Weinhaus lenkt
Die Schritte noch einmal, ihr Freunde, und gedenkt,
Indes voll alten Weins der Wirt die Gläser schenkt,
Des armen Chijam, den sie in das Grab gesenkt.

Der ich der Weisheit Zelte sonst genäht, nun vom Geschicke,
Das im Zerstören sich gefällt und Morden,
Zerscnitten wurden mir in Gram und Weh des Lebens Stricke
Und sind für nichts versteigert worden.

O Gott, wenn du barmherzig bist, wie das der Gläub'ge von dir sagt,
Was hast den ersten Sünder du denn aus dem Paradies gejagt?
Daß du an fromme Gnade schenkst, nicht nenn' ich das barmherzig sein;
Wer sich Erbarmer heißen läßt, muß argen Sündern selbst verzeihn.

In der Wüste, wo er wohnte, traf ich einen Menschen an;
Ohne Gott und Glauben war er, ohne Hab' und ohne Gut,
Kein Gesetz für sich erkennend, Ketzer nicht noch Muselmann -
Ist in dieser Welt und jener einer wohl von gleichem Mut?

Einst am Ende wird vom Leibe dir der Tod die Seele trennen,
Das Geheimnis hinter Gottes Vorhang wirst du dann erkennen;
Doch bis dahin zeche tapfer, wie viel du immer spähst,
Nicht ergründest du, woher du kommst, und nicht, wohin du gehst.

O Schenke, da die Zeit als Mörder auf uns lauert,
So ist's gewiß, daß lang uns nicht das Leben dauert.
Allein solang nicht unsrer Hand entsinkt der Becher Wein,
Darauf vertraue fest, wird Gott uns gnädig sein.

Wohl hab' ich durch sündigen Wandel mich gestürzt in verdientes
Leiden,
Doch Hoffnung auf meine Götzen hält mich aufrecht, wie die Heiden;
Am Tag, wenn ich sterbe, den Becher mit Wein soll die Geliebte mir
reichen,
Und jeden Gedanken an Paradies und Hölle will ich verscheuchen.

Willst unterwerfen du das Weltall deinem Willen,
Wohlan so such' an Geist und Seele stark zu werden!
Mit einem nur, wie ich, mußt du dein Leben füllen;
Trink Wein und kümmre dich um weiter nichts aus Erden!

Wer falsche Münzen in Umlauf bringt, schwer sollte den man strafen!
Längst hat aus unserem fröhlichen Haus sie weggekehrt der Besen.
Ein Greis kam aus der Schenke und sprach: "Froh bin ich heute gewesen;
Trink Wein auch du! Zeit hast du nachher, im Grabe auszuschlafen!"

Gäb' es keinen Wein auf Erden, keinen Schall der Irakflöten,
Keine Schenken, o man sollte lieber sich zur Stelle töten!
Auf der Welt, so weit mein Auge sie durchmißt von Ost nach West,
Stich hält nur die Lust beim Becher; keinen Deut wert ist der Rest.

Als meinen Körper Gott aus Lehm erschaffen hat,
Mußt' im voraus er schon mein Tun und Handeln kennen;
Es war auf sein Geheiß, wenn ich was Böses tat;
Und sollt' ich nun dafür noch in der Hölle brennen?

Als eine Nachtigall im Gartenhain
Die Rosen schaute und den Becher Wein,
Sprach sie zu mir: "Versäumst du diese Zeit,
O Freund, so holst du nie sie wieder ein."

Ein Götzendiener der Liebe bin ich, kein gläubiger Gottverehrer,
Ich bin ein niederer Erdenwurm, ein König nicht, ein hehrer;
Ich hab' ein liebegebleichtes Gesicht, von Lumpen sind meine Kleider,
Und Seide sucht man vergebens bei mir - wahr ist das alles, leider!

O funkelnder Wein! so viel laß mich zechen,
bis sich in den Wesen verwandelt mein Sein
Und alle, die mir begegnen, sprechen:
"Wo kommst du her, o Meister Wein?"

Mag der Saft der Reben immer schäumen mir in vollen Krügen,
Mag zu Frauen, schön wie Huris, mir die Liebe nie versiegen!
Zwar man sagt: "Befehlen wird dir Gott, auf all das zu verzichten;"
Doch, beföhl' er es, gehorchen wahrlich würd' ich ihm mit nichten.

Alles Leben hier auf Erden ist nur Trug und hohler Schaum;
Wer kein Tor ist, muß erkennen, daß die ganze Welt ein Traum;
Drum, zum Becher Weines greifend, scheuch hinweg die Wahngestalten
Und die Hirngespinste, welche manchen Geist gefangen halten!

Mit einer heb' ich den Koran, den Becher mit der andern Hand;
Bald dem erlaubten ist mein Sinn, bald dem Verbotnen zugewandt.
Auf dieser Erde dergestalt, soviel ich es ermessen kann,
Bin ich kein ganzer Ketzer zwar, doch auch nicht völlig Muselmann.

Vom Rausche des Weines ist uns immer benebelt das Haupt,
Der Eintritt in unseren Kreis wird einzig dem Becher erlaubt.
Was mahnt und predigt ihr denn, ihr dummen Asketen? Schweigt!
Wir sind Anbeter der Weins, und er ist in Huld uns geneigt.

Gestern vor der Morgendämmerung, einen Becher in der Hand,
Mir zu seiten eine Schöne, saß ich an des Baches Rand,
Und vom Lichtglanz, den der rote Wein auf einmal rings entzündete,
Ward getäuscht der Stundenrufer, daß er schon den Tag verkündete.

Mein Liebchen - möchte doch so lang ihr Leben dauern, wie mein Gram! -
War wieder huldvoll gegen mich, als heut sie mir vorüber kam;
Sie gab mir einen flücht'gen Blick, doch ging so schnell, wie sie
genaht,
Und barg vor allen, daß an mir geübt sie diese Gute Tat.

Heut von Liebe sind wir trunken; in der Andacht höchstem Schwung
Bringen wir im Götzentempel heut dem Weine Huldigung;
Ja, dem Staub der niedern Erde und dem eignen Selbst entkommen,
Zu des ew'gen Heiligtumes Schwelle sind wir aufgeklommen.

Wißt ihr, warum der Hahn im Hof am Morgen jedes Tages kräht?
Ich will euch deuten seinen Ruf, daß ihr ihn rechten Sinns versteht.
Er sagt, daß wieder eine Nacht des Lebens euch verstrichen ist,
Und daß ihr immer noch nichts wißt.

Alle sind wir nun versammelt um der Liebe heil'gen Herd,
Nicht versehrt die Zeit uns ferner oder schafft uns Not und Pein;
Seit den hochgeweiten Becher seiner Liebe wir geleert,
Sind wir alle frei und ruhig, trunken von dem süßen Wein.

Gestern in des Töpfers Werkstatt sah ich hundert Krüge stehn
Und mir war, durch ihre reihen hört' ich ein Geflüster gehn;
"Selber war ich einst ein Töpfer. - Ich, zum Kruge jetzt verwandelt,
Einst von dir, dem Warenhändler, hab' ich Krüge eingehandelt."

Der strebt nach Ruhm und schätzt gering das Heut,
Der nach dem Paradies des ew'gen Lichts;
Du greif zum nächsten Glück, das sich dir beut,
Und achte fernen Trommelschlag für nichts.

Der Gegenwartd nicht denkend, noch an das Vergangene,
Laßt uns beim Trunk, ihr Freunde, der Lust uns weihn,
Damit wir unsere Seele, die arme Gefangene,
Auf kurz von den Fesseln der Vernunft befreien!

Wenn bei Verstand du bist, so such den Rausch im Saft der Reeben!
Laß eingeweihte Trinker dir die wahre Weihe geben!
Doch nein! du bist am Geiste blind! Vergebens ist mein Mahnen;
Der echte Rausch, der selig macht, gelingt nicht den Profanen.

Kein Hügel soll auf meinem Grab sich erheben,
Nein, allen Menschen laßt mich als Vorbild dienen:
Netzt meine Staubesreste mit Saft der Reben
Und formt dann einen Weinkrugdeckel aus ihnen!

Nun fängt die Lust von neuem an, des Predigers Stimme schweigt,
Valet von neuem sagen nun den fünf Gebeten wir;
Wo irgend nur, mit Wein gefüllt, ein Flaschenhals sich zeigt,
Mit unsern Gläsern um ihn her im Kreise treten wir.

Ich lod're hoch in Liebesgut zu einer jugendlichen Schönen,
Laut spricht mein Herz, allein der Mund bleibt stumm und ringt umsonst
nach Tönen.
O Himmel! ist auf Erden je so seltsam was gesehen worden?
Verdurstend, lechzend sitz' ich da an einen klaren Stromes Borden.

Bevor dereinst aus dem Paradiesefluß
Den Becher mir füllen wird der himmlische Schenke,
Wollt ihr, daß ich an Weinentsagung denke?
Das wäre wider Gottes Vorherbeschluß.

Sieh den Glanz des Weins, o Schenke! sieh des Mondes klares Licht!
Sieh zur Seite mir die Schöne mit Rubinenangesicht!
Nicht von Erdendingen sprich mir, da mein Herz von Liebe brennt!
Bring, um meine Gluz zu löschen, mir das flüss'ge Element!

Du, nach dem die Welt, die ganze, unaufhaltsam strebt und ringt,
Den zu finden so dem Reichsten, wie dem Ärmsten nicht gelingt:
Vor den Augen aller schwebst du, aber alle sind sie blind,
Alle nennen deinen Namen, während taub sie alle sind.

Auf der Erde wie viel Menschen seh' ich, die in Schlummer liegen!
Unter ihr wie viele, welche schon ins Grab hinabgestiegen
Und im Nichts, der großen Wüste, der Gewesenen wie viel
Sieht mein Auge! o von solchen, die noch kommen, welch Gewühl!

O Schicksal! schlimm auf dieser Welt, schlimm mich gebettet hast du!
Befreie mich! mit Unrecht so mich angekettet hast du!
Hast du von jeher deine Huld den Dummen nur gewährt,
So wisse, ich auch bin so sehr nicht weise noch gelehrt!

Schüfe Gott die Welt aufs neu doch, daß sie nicht der jetz'gen gliche!
Möcht' er doch mich zuschaun lassen, daß ich sähe, wie er 's macht!
O daß in des Lebens Buche dann er meinen Namen striche,
Oder bessres Los mir gönnte, als er jetzt mir zugedacht!

Keiner ist, der in der Dinge Urgrund jemals eingedrungen,
Der sich über seines Wesens Grenze je hinausgeschwungen;
Jeden, Lehrer oder Schüler, wenn mein Geist es recht ermißt,
Unzulänglich find' ich jeden, der vom Weib geboren ist.

Menschen gibt es, die in eitlem Dünkel jeden sonst verachten;
Nach des Paradieses Wonnen richten andre all ihr Trachten;
Aber, wenn der ew'ge Vorhang einst zurückgeschlagen wird,
Wird man schau'n, daß alle fern sich, fern von dir, o Gott, verirrt.

Auf! erheb den Fuß zum Tanze, den wir mit der Hand begleiten!
Laß in Gegenwart der Schönen tanzen, uns beim Klang der Saiten!
Noch nach zwanzig Bechern scheint mir, daß das Leben nicht viel wert
ist,
Doch zum Himmel wird die Erde, wenn des sechzigste geleert ist.

Wie lang uns willst du, unwissender Mönch, verfolgen mit deinen
Ränken?
Wir sind in ewigem, seligem Rausch, die steten Bewohner der Schenken;
Du heuchelst und betest den Rosenkranz und übst Verleumdung und Tücke,
Indessen, den Becher in der Hand, wir unseren Wonnen gedenken.

Jetzt, wo die Rosen ihre Knospen brechen,
Beim Lied der Nachtigallen laßt uns zechen
Uns und beim Weine, funkelnd wie Rubin,
Für die vergangnen Qualen rächen!

Der Arbeit und der Frömmigkeit den Rücken kehren, das ist gescheit;
Die Zeit verbringen bei schönen Frau'n, die Huld uns gewähren, das ist
gescheit;
Verrinnen lassen wir in den Staub die Zeit bald unser Lebensblut,
Darum den BEcher voll Rebenblut zuvor zu leeren, das ist gescheit.

Ich weiß nicht, wer du diesem Sein auf Erden mich erschaffen hat,
Ob es ein guter Himmelsgeist, ob es ein böser Dämon tat;
Das aber weiß ich: heut erquickt mich guter Wein an Leib und Geist,
Und er in weiter Ferne liegt der Himmel, den man dir verheißt.

Auf nun und das Frühlied sing! den Becher voll Weines mir bring;
Was gäb' es, o mein Idol, auf Erden Besseres wohl,
Wo hunderttausend Herrscher das Rad
Der rollenden Zeit zermalmt schon hat?

Wo sind die Sänger? wo ist der Wein! Geschwinde nun eingeschenkt!
Gesegnet sei mir das Herz, das fromm des Morgentrunkes gedenkt!
Von allem auf dieser Erde sind drei Dinge das Beste, glaubt:
Ein holdes Liebchen, der Morgentrunk und ein weinbenebeltes Haupt.

Allem wohl entsagen kann ich, aber nur dem Trinken nicht,
Denn Ersatz für alles gibt es, nur nicht für den Weinverzicht.
O mein Gott! kann es geschehen, daß ein Muselmann ich werde
Und dem Weingenuß entsage? Nimmerdar auf dieser Erde.

Zu einer Dirne jüngst hört' einen Mönch ich sprechen:
"Trunksüchtig bist du, Weib, die Frechste von den Frechen!"
Zur Antwort gab sie ihm: "Das bin ich, was du meinst,
Du aber sage, Scheich, bist du auch, was du scheinst?"

Nie war ein Mensch noch sündenlos, ob Weib nun oder Mann,
Da, ohne Sünde zu begehn, man nimmer leben kann.
Wenn du für Böses, das ich tat, mit Bösem mich bestrafst,
Wo ist denn zwischen mir und dir der Unterschied? sag an!

O unverständ'ge Menschen, wollt auf meinen Rat ihr hören,
So laßt euch nicht von dieser Welt und ihrem Tun betören!
Vergeudet euer Leben nicht in törichtem Bestreben,
Nein, sucht den wahren Seelenfreund, das heißt den Saft der Reben!

Dieses rollende Rad des Himmels ist zu unserm Tod verschworen,
Und, sobald's uns eingeholt hat, Freund, sind du und ich verloren!
Ruh mit mir denn auf dem Rasen! Kurze Zeit nur wird verfließen,
Ach! und über unserm Staube wird ein neuer Rasen sprießen!

Wie du mich gemacht haßt, bin ich! Schon so lange ich lebe, bist
Du mir huldreich; hundert Jahre währte meines Daseins Frist,
Und noch hundert weitre Jahre möcht' ich leben, um zu sehn,
Ob mein Maß von Sünden, oder dein Erbarmen größer ist.

Ach böser Fastenmond! Hin ist die Zeit, in die wir tranken,
Die Zeit, in der wir an die Brust von schönen Mädchen sanken!
Fast platzen will des Faß vom Wein, den wir nicht trinken sollen,
Und schmachtend sehn die Frau'n uns an, die gern geküßt sein wollen.

Hüte dich, daß nicht die Zecher dich der Nüchternheit bezeihn!
Hüte dich, daß nicht die Weisen Tor dich nennen - trijnke Wein!
Denn - das mögst du wissen - nimmer, magst du trinken oder nicht,
Wenn vorherbestimmt zur Hölle, gehst du in den Himmel ein!

Das Rad der Zeit in seinem ewigen Kreisen
Macht, daß vom Baume des Lebens das Laub uns fällt;
Drum trinke Wein! Gedenke des Spruchs der Weisen:
Wein ist das Gegengift für den Kummer der Welt.

O Rose! blickst du mich doch an wie eine Maid mit holden Mienen!
O Wein, du herzerfreuender, du strahlst gleich flüssigen Rubinen!
O laun'ges Glück! es scheint, du hast dein Antlitz von mir abgewandt,
Und dennoch hab' ich ehemals wie eine Freundin dich gekannt.

Ganz unwert bin des Himmels ich, und auch die Hölle will mich nicht,
Gott einzig weiß, aus welchem Lehm er mich geknetet haben mag.
Ein Ketzer, ein Verworfener, ein heil- und glaubensloser Wicht,
Nicht denken kann ich, was mit mir geschehen soll am jüngsten Tag.

Wir alle sind verliebt und berauscht; hier in des Schenkwirts Halle
Versammelt sitzen wir im Kreis bei lustigem Becherschalle.
Wir wissen nichts von Bös' und Gut, von Träumen und Hirngespinsten;
O sucht nur keinen Verstand bei uns, denn trunken sind wir alle!

Meht dünkt ein Zug aus der Flasche mich wert, als aller Erdenruhm,
Als Kobad's mächtiger Herrscherthron, als Chosrus Königtum;
Mehr wert ist ein Seufzerhauch, der leis vom Munde Verliebter weht.
Als aller Mönche und Derwische Geplapper und Gebet.

Einen Duft von dir erhaschte heut mein Herz im Morgenwinde;
Mich alsbald verlassen hat es, daß es dich, Geliebte, finde;
Nicht gedenkt es nun des Kranken weiter, der es einst besessen;
Deiner Art in allem folgend, hat es mich wie du vergessen.

O Jammer! täglich schwindet unser Leben!
Wie vieler Herzen brach schon das Geschick,
Und keiner kam von drüben je zurück,

Oft vor dir und mir hienieden ward es Tag und wieder Nacht,
Keine Dauer gönnt die Erde ihren Töchtern, ihren Söhnen,
Drum, wenn deines Fußes Sohle diesen Staub berührt, hab acht!
Sicher war er einst das Auge einer jugendlichen Schönen.

Am Tag, als das rollende Rad des Himmels zu kreisen begann,
Als Jupiter seinen Lauf in den himmlischen Gleisen begann,
Ward schon mein Wesen und Tun vom Schicksal festgestellt;
Was spricht man von Strafe mir denn in einder anderen Welt?

Vom Koran und der heil'gen Nacht mehr sprichst du, als mir lieb;
Schweig! lieber einen Wechselbrief mir auf das Weinhaus gib!
Wird mir auf solchen Brief das Tor der Schenke aufgemacht,
Im selben Augenblick beginnt für mich die heil'ge Nacht.

Da einst ich verlasse die irdische Haus
Und Erde, wie ich gewesen, werde,
Auf, Schenke, was säumst du? diese Erde
Begieße fleißig sie im voraus!

Solchen selbst, auf deren Wissen alle Welt bewundernd schaut,
Deren Geist des höchsten Fluges durch den Himmel sich getraut,
Ja auch ihnen, wenn der Dinge Urgrund sie ergründen wollen,
Wird es schwindeln, und sie wissen nicht mehr, was sie sagen sollen.

Oft wohl denk' ich, jetzt, da ich noch fröhlich lebe,
Daß es nichts mehr, was ich nicht begriffen, gebe,
Aber bald besinn' ich mich, daß ich dem Grabe
Nah schon stehe, doch noch nichts begriffen habe.

Das Schicksal ist ein fester Gurt, der unser armes Sein umschließt,
Mehr blut'ge Tränen weinen wir, als Wasser in dem Oxus fließt;
Die Hölle ist ein Funken nur der Qual, in der das Herz uns brennt,
Das Paradies nur ein Moment der Ruhe, der uns wird gegönnt.

Wie lange willst du Götzendienst noch mit dir selber treiben?
Bei diesem Brüten über Sein und Nichts wie lang noch bleiben?
Trink Wein! trink Wein! Am besten ist's - Gott möge sonst mich strafen!
-
Dies Leben, das mit Sterben schließt, im Rausche zu verschlafen.

Da jede Freude von vordem dir bis auf die Erinnrung schwand,
Da dir als wahrer Seelenfreund der Becher Weines einzig blieb,
So hab auch diesen Freund von Herzen lieb
Und laß den Becher niemals aus der Hand!

Tag für Tag umstrickt von dieses Lebens läßt'gen Banden bin ich,
Nie, zufrieden mit den Dasein, blick' ich auf zum Strahl des Lichts;
Über unser Menschenschicksal, o wie lang, wie lang schon sinn' ich,
Doch von dieser Welt wie jener immer noch begreif' ich nichts.

Nicht hoffe heute auf den nächsten Tag!
Ein Tor ist, wer an ihn nur denken mag.
Den Atem nütze, den du een tust,
Denn bald vielleicht stockt deines Herzens Schlag!

Du baust auf Hoffnungen, der Allzurasche?
So wisse, sie verwandeln sich in Asche;
Und selbst wenn sie gedeihn, alsbald nach kurzem Schimmer
Wie Schnee im Wüstensand zerrinnen sie für immer.

Ihr Freunde! füllt mir den Becher mit Wein, damit mein Herz nicht
darbe!
Schafft meinem blassen Gesicht durch den Wein von neuem Rubinenfarbe,
Und, wenn ihr in Wein gewaschen mich habt, nach meinem letzten Geboten
In einem Sarge von Rebenholz bestattet dereinst den Toten!

O wie schnellen Zugs von dannen zieht die Lebenskarawane!
Schneller flieht die Zeit der Freude, als ich's glaube, als ich's ahne;
Drum des Grams nicht will ich denken, welcher morgen auf uns harrt;
Her den Wein! die Nacht entflieht schon; freu'n wir uns der Gegenwart.

Lang wurden Irams Garten und Palast
Und Dschemschids Becher von Rubin zu Staube;
Doch manches Lusthaus lädt dich noch zur Rast
Und flüssiger Rubin tropft aus der Traube.

Zu Fasten fühlt' ich und zu Gebet mich jüngst gedrängt und dachte:
vielleicht
Wird nun das ewige Heil von mir, nach dem ich seit lang mich gesehnt,
erreicht;
Allein ein Windhauch hat das Gebet alsbald mir auf den Lippen verweht,
Ein halber Weinschluck, eh ich's gedacht, mein Fasten all zu nichte
gemacht.

Hier in der Schenke, mit Wein allein wird hier die Waschung gehalten,
Verloren bin ich nun doch einmal; so bleib es denn auch beim alten!
Bring Wein! bring Wein! der Scham und der Scheu hab' ich mich doch
entledigt,
Und meinem Ruf stellt nichts mehr her, er ist zu tief geschädigt.

Man sagt: Wer nicht sich des Weines enthält,
Der wird in der Hölle bestraft für sein Trinken;
Mag sein, doch der Weinrausch, will mich dünken,
Ist besser als diese und jene Zeit.

So viel der Weisen auf Erden auch aufgetreten
Und neue Lehren auf die alten gepfropft,
Man hat sie hinausgeworfen als falsche Propheten
Und ihnen die Münder mit Erde gestopft.

Statt eitles Gerede zu pflegen, kredenzt mir Wein
Und werd' ich wieder in Erde zerfallen sein,
So formt aus mir einen Ziegelstein
Und in die Wand der Schenke mauert ihn ein!

Einer ist im Himmel droben, der dein Tiefgeheimstes kennt,
Jeden Tropfen deines Blutes, auf dem Haupte dir jedes Haar;
Magst du täuschen auch die Menschen, welche man die klügsten nennt,
Sprich, was nutzt vor dem dein Heucheln, welchem alles offenbar?

Wie schön ist die Erde nun wieder überall!
Die Winde waschen den Staub von den Rosen und Nelken,
Und zu den ermatteten spricht die Nachtigall:
"Erquickt euch nun durch meinen Trank, ihr welken!"

Umschlinge, jedes Erdengrams vergessen,
Ein schönes Weib, schlank wie Zypressen,
Eh wieder dich, wie dir vorherbestimmt,
In ihren Arm die Erde nimmt.

Ein Stier ist, der drunten auf seinem Horne die Erde hält,
Ein anderer Stier strahlt hell dort oben am Himmelszelt,
Und o! an die Menge von Eseln denk' ich mit Grausen,
Die zwischen den beiden Stieren hausen!

Ja, ich trinke Wein, und jeder, der Verstand hat, weiß, mein Zechen
Wird mir nicht in Gottes Augen angerechnet als Verbrechen.
Schon von Ewigkeit her wußte Gott, daß Wein ich trinken würde,
Tränk' ich also nicht, so würd' es seiner Weisheit widersprechen.

Ich bin ein Sklave, der sich empört: wie reimt sich das mit deiner
Macht?
Bist du das Licht, was lässest du mich verkommen in der Sündennacht?
Und, werden zum Paradies allein die Frommen zugelassen,
Wo bleibt da deine Barmherzigkeit? Das kann mein Geist nicht fassen.

Nichts hat es der Welt genützt, als ich auf die Erde gekommen,
Und, geh' ich wieder hinweg, wie weiter beklagte sie's?
Viel hab' ich geforscht und gelauscht, allein noch von keinem vernommen,
Warum mich zu Leben und Tod das Schicksal hierher verstieß.

Chijam! wie durch einen Vorhang ist das Weltal dir verschlossen,
Aber eines erkennst du, deckt auch Dunkel sonst dein Auge zu:
In der Schöpfung großem Becher, den der ew'ge vollgegeossen,
Einde der Millionen Blasen, die drin schwimmen, nur bist du.

Du bist der Gebieter, du lenkst das Geschick der Lebenden und der Toten,
Das rollende Rad des Himmels kreist allein nach deinen Geboten;
Wohl bin ich schlecht; doch schaltest nich du mit mir nach deinem
Gefallen?
Kann einer schuldig auf Erden sein? Bist du nicht der Meister von allen?

Dein göttliches Erbarmen kennt der Fromme nicht, denn er ist blind;
Nicht kennt ein Fremder dich so gut, wie wir, die deine Freunde sind.
Du hast gesagt: "Wer Sünden tut, der soll einst in die Hölle brennen;"
Doch geh! sag einem andern das, nicht solchen, die dich kennen!

Was häufen mir Schätze, was Güter in Massen,
Die alle ein Ziel mir vor Augen sehn,
Das, was wir haben, zurückzulassen
Und selber von dannen zu gehn?

Mit Freunden, statt dich um Gold und Silber zu mühen,
Sei froh beim Weine! noch bist du lebensfrisch,
Bald aber wird dein süßer Odem entfliehen,
Und deine Feinde setzen sich an den Tisch.

Quälende Gedanken machen, daß in Angst das Herz mir klopft,
Daß in jeder Nacht des Auges Zähre auf die Brust mir tropft,
Und in meinem ganzen Wesen stiften sie Verwirrung an,
Daß zu meinem Hirn der Weinrausch selbst den Weg nicht finden kann.

O welche lange, lange Zeit nach uns noch wird die welt bestehn!
Im Wind wird jede Spur von uns, wird unser Name selbst verwehn.
Vor unserer Geburt behalf die Welt ganz gut sich ohne uns,
Und kleine Lücke wird entstehn, wenn wieder wir von dannen gehn.



Nur Grab und Tränen, welche rastlos rinnen,
Gab uns das kurze Weilen auf der Welt;
Nichts, was uns dunkel, ward uns aufgehellt,
Und unter Seufzen gehn wir nun von hinnen.

Früh bei Sonnenaufgang täglich will ich in das Weinhaus gehn,
Mit den heuchlerischen Mönchen soll man dort mich zechen sehn.
Du, der alles weiß, und sei es noch so sehr geheimnisvoll,
Erst mußt du mir Glauben geben, wenn ich zu dir beten soll!

O grimm'ges Schicksal! nichts als nur Verheerung
Übst du seit Anbeginn and als Zerstörung!
Und du, o Erde! wie viel Weise, Grße
Und Edle ruhen schon in deinem Schoße!

Versäume nicht, an dem köstlichen Naß
Der Rebe dich hier zu erlaben;
Nie wird man wieder, bedenke das,
Hervor aus der Erde dich graben.

Recht hast du, daß du die Sünden verzeihst;
Anklagen ja könnte man sonst dich dreist,
Daß du, deralles vorhergewußt,
Mitschuldig an diesen Sünden seist.

Leb froh, solang dein Leben währt! Nach deinem Erblassen
Noch werden Menschen viel auf Erden sein,
Allein umsonst wird nach dem Leib, den sie verlassen,
Am jüngsten Tage deine Seele schrei'n.

Ist der Sinn von Wein und Rosen doch nur Weinverehrern klar!
Ihn begreifen Geistesarme, Herzensschwache nimmerdar;
Während ihre Stumpfe Seele nur das Niedrigste gewahrt,
Wird den Trinkern des Genusses höchste Wonne offenbart.

Lieg' ich im Rausch, so wüßt' ich nicht, was es mich kümmern sollte,
Wenn kugelgleich die ganze Welt in einen Abgrund rollte.
Mich selbst verpfändet' ich für Wein erst gestern in der Schenke;
Da sprach der Wirt: "Ein sichres Pfand! das liegt doch fest, ich denke!"

Schon naht der neue Mond, der tröstungsreich
Der langen fasten Ende und verkündet;
Sieh! wie der alte mager, matt und bleich
Von Nüchternheit dort hin am Himmel schwindet!

Wie du mich aus Wasser und Erde geformt, so hab' ich gelebt, was kann
ich dafür?
Ob niedrige Wolle, ob prächt'ger Brokat, du hast mich gewebt, was kann
ich dafür?
Mir im Voraus auf die Stirne schon geschrieben hast du mein Lassen und
Tun,
Drum ob ich böse Taten verübt, ob Gutes erstrebt, was kann ich dafür?

Freund! laß jeglichen Gedanken an die Zukunft uns begraben!
An der Lust des Augenblickes muß sich der Verständ'ge laben!
Morgen, wenn wir sterben müssen, werden wir Genossen derer,
Die vor siebentausend Jahren diese Welt verlassen haben.

Einst werden zu Staube meine Glieder,
Der Staub wird zu Krügen verwandelt sein;
Doch, füllt man diese Krüge mit Wein,
Aufleben dann werd' ich vor Freude wieder.

Von Wein und von Honig im Paradies
Sprecht ihr und von Huris, den schönen,
Und was der Prophet uns da drüben verhieß,
Das wollt ihr auf Erden verpönen?

Trost kommt mir nur von dir in meines Herzens Trauer;
Was zögerst, Schöne, du, mir deine Huld zu gönnen?
Auch deine Schönheit hat, bedenk, nicht ew'ge Dauer;
Bald keinen mehr vielleicht wirst du beglücken können.

Verzeih mir, o Gott, wenn ich an des Ramadhan Tagen getrunken!
Allein so arg hat die Zeit der Fasten mir mitgespielt,
Daß ich, in die tiefste Trübsal versunken,
Auch ihre Tage für Nächte hielt.

Sieh, wie der Mond die Nacht zerteilt! bei seinen
Lichtstrahlen froh uns wollen wir ergehn;
Ach! oftmals noch wird er auf Erden scheinen,
Allein vergebens nach uns beiden späh'n.

Wohl oft schon schwur ich, zu bereun; allein
Im Rausche muß es wohl gewesen sein;
Bald kam der Frühling, Rosen in der Hand,
Und riß entzwei mein härnes Bußgewand.

Gestatte den Tagen nicht noch den Nächten auf Erden,
Dich zu betrüben! Was immer du treibst und tust,
Bedenke, daß stets von neuem geboren sie werden,
Indessen auf ewig du dort unten rust!

Mit der Welt wie sie ist - so lautet mein Rat -
Dich abzufinden mußt du sinnen;
Nur mit den Karten, die einer hat,
Vermag er das Spiel zu gewinnen.

Den Hörsaal mancher Weisen, mancher Frommen
Hab' ich besucht, von Wissensdurst entglommen,
Doch durch die Tür, durch die ich eingegangen,
Stets bin ich auch herausgekommen.

Kaum daß der Ruhe wir am Lebensquell
Auf unsrer Erdenwüstenreise pflegen,
So bricht die Karawane auf und schnell
Geht unsre Fahrt dem Nichts entgegen.

Weh denen, welche Liebe nie gekannt,
Nie ihre Lust gefühlt und ihre Leiden,
Und deren Augen keine teure Hand
Zudrückt, wenn sie von dieser Erde scheiden!

Trink' ich, so ist es nicht zum Hohn der Frommen,
Noch um im Wohlsein üppig auszuruhn,
Nein, um nur einmal, meinem Selbst entnommen,
Frei einen Atemzug zu tun.

Wer wohl das wechselnde Geschick der armen Menschenwelt erwägt,
Ihm ist es gleich, ob fröhlich er die Zeit verbringt, ob Kummer trägt;
Sag an, wenn man zu guter Letzt im Erdenschoße dich begräbt,
Was kümmert's dich, ob du in Glück, ob du in Mißgeschick gelebt.

Ein schmutz'ger Mönch im Kuttenrock, gewoben wie aus Höllenrauch,
Trat frech in unsre Schenke heut und goß, der Unhold, aus dem Sclauch
Den edlen Wein zu Boden aus mit Poltern, Predigen und Schelten;
O sprecht! wer solche Tat verübt, kann er für einen Menschen gelten?

Wer möchte wankelmütig je dem Wein die Treue brechen?
Die Lebensquelle strömt in ihm, drum laßt von ihm mich zechen,
Und, wenn ich ihm entsagen muß, zu gleicher Zeit enthoben
Will ich der Pflicht mich achten, Gott im Dankgebet zu loben.

Da die Dinge sich auf Erden nie nach unserm Wunsch gestalten,
Was bemühn wir uns und ringen wider des Geschickes Walten?
Immer seufzen wir und klagen, hadernd mit des Himmels Schlüssen:
"Ach daß wir zu spät gekommen! daß zu früh wir scheiden müssen!"

Schon glühn von Wein die Wangen der Schönen, höher entflammt,
Längst hab' ich es fürwahr, zweihundert Gelübde gebrochen allzusamt;
O besser ist es fürwahr, zweihundert Gelübde zu brechen,
Als einen einzigen Krug, der dienen noch kann zum Zechen.

Seit meinem Götzen ich das Herz geschenkt,
Hat sich zum Schlimmen alles mir gewandelt;
Sie haben meinen Ruf in Wein versenkt
Und für ein Liedchen meinen Ruhm verhandelt.

Da wir doch von hinnen müssen, o was hilft dies ganze Leben?
O was hilft's, nach einem Glücke, das unmöglich ist, zu streben?
besser denkt, wer seines Daseins ganze Flüchtigkeit erfaßt,
An den Aufbruch für die Reise, als an diese kurze Rast.

Zähl dutzendfach mir vor, wie viel im Leben

O Herr der Herren, heiliger Prophet, willst du, daß ich dir künde,
An welchen Tagen gern der Mensch am Weingenuß sich laben mag?
Am Sonntag und am Montag ist's, am Dienstag, Mittwoch, Donnertag,
Freitag und Samstag; und du willst verpönen den Genuß als Sünde?

Nicht um den Weltlauf gräme dich du!
So wird ein fröhliches Leben erzielt.
Mit dem, was du hast, zufrieden sieh zu,
Wie mit den andern das Schicksal spielt!

Was ist euch die Seele von Sorge beklommen,
Ihr, die ihr die Kürze des Lebens betrauert?
Denkt! hätte die Freude den andern gedauert,
An euch nie wäre die Reihe gekommen.

In unsrer Größe Trunkenheit wie waren wir so eitel!
bis jenseits noch vom Monde stolz erhoben wir den Scheitel;
Nun aber wird der Körper, drin wir lebten, uns genommen,
Und in die Erde kehren wir, aus welcher wir gekommen.

Niemals noch, solang ich denke, war das Glück mit mir im Bunde,
Niemals noch hat eine Freude mir dies schale Sein gewürzt,
Nie auf Erden noch genoß ich eine fröhliche Sekunde,
Daß mich nicht in Schmerzenstiefen noch derselbe Tag gestürzt.

In Höhn und Tiefen, nah und fern
Hab' ich die Welt durchforscht, ihr Schönstes zu erkunden,
Allein am Himmel keinen Stern,
Auf Erden keine Blume, schön wie du, gefunden.

Erkunden wollt' ich, wo der Garten Eden
Und wo die Hölle sei, der Marterort;
Da höhrt' ich meinen Meister also reden:
"In dir sind beide; such sie dort!"

Schon lassen muß ich diese Welt; von hundert Edelsteinen,
Durch die ich sie erfreun gewollt, ach! gab ich ihr nur einen,
Und der Gedanken viel, die sie noch nicht vermocht zu fassen,
Muß ich unausgesprochen nun mit mir begraben lassen.